Tschechische KZ-Häftlinge im Mittelpunkt

Deutsch-tschechische Tandems erforschten ihre Lebensgeschichten

 

Schon seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gibt es eine Schulpartnerschaft zwischen dem Max-Born-Gymnasium in Neckargemünd und dem Partnergymnasium in der südböhmischen Stadt Jindřichův Hradec; 1996 wurde auch eine Städtepartnerschaft geschlossen. 
SchülerInnen des MBG kommen regelmäßig in die KZ-Gedenkstätte Neckarelz - am 24. März 2026 brachten sie zum ersten Mal tschechische AustauschpartnerInnen mit. 
Achtzehn deutsch-tschechische Tandems lernten in zwei Gruppen zunächst die Geschichte des KZ-Komplex der Neckarlager kennen. Doch dann rückte eine zeitlich und örtlich scheinbar entfernte Geschichte plötzlich ganz nah … Je sechs junge Leute, jeweils drei aus Tschechien und drei aus Deutschland, machten sich daran, die Lebensgeschichten von sechs Neckarelzer Häftlingen anhand von Quellen zu erforschen. Alle sechs kamen aus dem Gebiet der heutigen tschechischen Republik. 
Um die Sprachbarriere möglichst klein zu halten, waren Lückentexte in deutscher und tschechischer Sprache vorbereitet. Die SchülerInnen füllten diese anhand von Karteikarten, Transportlisten, Briefen etc. aus. Anschließend stellten sie die sechs Männer im Plenum vor. Es ergab sich ein differenziertes Bild: fünf von ihnen hatten damals den roten Winkel der politischen Häftlinge getragen. Als Haftursache waren “Deutschfeindliche Reden”, “Vorbereitung zum Hochverrat” oder auch “Kommunistische Umtriebe” angegeben. Ein weiterer musste als  “Zigeuner” den schwarzen Winkel dieser Häftlingsgruppe auf seinen gestreiften Anzug nähen - als Angehöriger der sudetendeutschen Minderheit galt er im Lager als “Reichsdeutscher”, ebenso wie der Spanienkämpfer Alfred Weishaupt, dessen Familie in Weikersdorf/Vikýřovice  ansässig war … 
Einer der vier Häftlinge mit dem “T” für “Tscheche” im roten Dreieck hat die Lagerhaft nicht überlebt: Georg Novak aus Mochov bei Prag wurde nach seinem Tod am 30. Januar 1945 auf dem KZ-Friedhof in Binau verscharrt. Als Abschluss des Projekttages legte die Gruppe ein selbst gefertigtes Blumengebinde am großen Grabstein in Binau nieder, auf dem Georg Novaks Name zu finden ist.