"Goldfisch und Zebra drei Punkt null"

oder: warum musste es wieder ein Buch sein?

Tobias Markowitsch und Kattrin Zwick bei der Buchvorstellung "Goldfisch und Zebra" am 25. Januar 2026. Foto: Peter Lahr

Die Stühle reichten nur knapp - fast 60 Leute wollten in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz erfahren, was die dritte Auflage von “Goldfisch und Zebra” - dem Basisbuch zum KZ-Komplex Neckarelz -  von den vorigen unterscheidet. Zwischen der zweiten (2011) und der dritten Auflage (2026) liegen 15 Jahre - die Autor:innen machten in ihrem engagierten Vortrag deutlich, wie sich die Forschungslandschaft verändert hat und was sie deshalb eingearbeitet haben. 
Eine riesige Zahl von Quellen isst heute digital zugänglich, das Forschungsinteresse an KZ-Außenlagern hat zugenommen, es erschienen zahlreiche Werke dazu. Das ermöglicht mehr Vergleiche als früher, auch statistische Auswertungen zu den Schicksalen von Häftlingen sind möglich. Nach wie vor stehen sie, die einst “Zebras” genannt wurden, im Vordergrund. Dazu half auch die Veröffentlichung des Erinnerungsbuches von Dr. Francis Rohmer im Jahr 20222. Er beschreibt viele der handelnden Personen der “Neckarlager” gleichsam aus nächster Nähe, insbesondere die Funktionshäftlinge und seine Kollegen, die gefangenen Ärzte. 
Aber auch auf der Täterseite gibt es neue Erkenntnisse. Man weiß mehr über das Netzwerk der SS, über die Wechsel  von Kommandanten zwischen einzelnen Lagern und deren Hintergründe. Im KZ-Komplex Neckarelz bekleideten mit Franz Hößler und Franz Josef Hofmann zwei hohe SS-Offiziere die Rolle des Schutzhaftlagerführers - beide waren ansonsten eher in großen Lagern (Dachau, Auschwitz, Bergen-Belsen) tätig. Die Veröffentlichungen von Archivalien zum Rastatter Prozess rückt hingegen die “kleineren” Täter in den Blick.
Viel Forschungsarbeit steckt hinter der dritten Auflage - die Autor:innen verteidigten im zweiten Teil fast leidenschaftlich ihre Entscheidung, nochmal ein Buch mit vielen zu veröffentlichen. Dies, obwohl inzwischen der Leseeifer abgenommen un digitale Formate auf dem Vormarsch sind. Doch letztere brauchen nach Meinung der Verfasser eine verantwortungsvolle Grundlage - die “Zweitzeugenschaft”, zu der sich die beiden bekennen, muss hieb- und stichfest nachweisbar sein.
Die neue Auflage von “Goldfisch und Zebra” ist in der KZ-Gedenkstätte, aber auch im Buchhandel erhältlich.