„Erfahrbare“ Erinnerungslandschaft

Gedenkstättenverbund Neckar-Odenwald stellte Radkarte vor

Tina Last, Landrat Dr. Achim Brötel, Dorothee Roos, Tobias-Jan Kohler, Hans-Peter Haas, Richard Lallathin, Valentina Munz und Matthias Grimm (v.l.n.r.) stellen die neue Radkarte vor. Foto: Gabriele Eisner-Just

„Gedenkorte erfahren mit dem Rad“ – diese Überschrift trägt eine neue Fahrradkarte für den Neckar-Odenwald-Kreis. Sie wurde vom Gedenkstättenverbund Neckar-Odenwald (GVN) entwickelt und in einer Pressekonferenz im Landratsamt vorgestellt. 

Die Erinnerungslandschaft des Neckar-Odenwald-Kreises geht weit über die fünf Mitgliedsgedenkstätten des Verbundes hinaus. Über 70 Gedenk-Orte haben die Autorinnen und Autoren der Karte identifiziert und durch neun Rad-Touren verknüpft und erschlossen.  

Wer sie fährt, bewegt sich nicht nur selbst, sondern wird auch bewegt. Denn hinter den Erinnerungszeichen verbergen sich Schicksale von Menschen oder Menschengruppen. Vom Zusammenleben von Juden und Christen erzählen die zwölf ehemaligen Synagogen und sechs jüdischen Friedhöfe im Kreis. Das jähe Ende dieser Koexistenz spiegelt sich in dem knappen Dutzend Stolpersteinen ebenso wider wie in den „Zweitsteinen“ des großen Mahnmals in Neckarzimmern. Doch die Deportationen betrafen nicht nur Juden, sondern auch Sinti und behinderte Menschen – sie „kamen weg“, wie alte und neue Tafeln und Monumente berichten. Andere hingegen kamen in die Region, aber gegen ihren Willen – davon künden die fast zwanzig Orte, die mit dem KZ-Komplex der Neckarlager oder dem Thema „Zwangsarbeit“ zu tun haben. 

Alle Stätten auf bestehenden Radwegen sinnvoll zu verbinden, war die große Herausforderung für Hans-Peter Haas von der KZ-Gedenkstätte Neckarelz. Er hat die neun Touren konzipiert und die 300 km an kartographierten Wege insgesamt 600 „Planungs-Kilometer“ mit dem Rad zurückgelegt. Alle Touren, ob Rundwege oder Strecken, gehen von Bahnhöfen aus und führen wieder zu solchen hin. 

Zu jeder Tour gibt es über die Plattform „outdoor-active“ eine Online-Version, mit vergrößerbaren Karten, Höhenprofilen, Entfernungsangaben und vielen Extras. Die Karte ist in den Touristikbüros des Kreises, im Landratsamt und in den Rathäusern kostenlos erhältlich, außerdem kann sie online über die Webseite des Gedenkstättenverbundes bestellt werden. Den Link dazu finden Sie hier