Wer war Asbjörn Halvorsen?
Jürgen Kowalewski zeichnete ein differenziertes Bild des norwegischen Sport-Widerstandskämpfers

Eigentlich ist er ein doppelter Held - der HSV-Spieler und norwegische Nationaltrainer Asbjörn Halvorsen.
Zum einen führte er die norwegische Fußball-Nationalmannschaft der Männer zu ihrem größten Triumph: dem Sieg über Deutschland bei der Olympiade 1936 und zum Gewinn der Bronzemedaille. Zum anderen wurde er nach der Besetzung Norwegens durch Nazi-Deutschland zu einer der führenden Figuren des norwegischen Sport-Widerstands. Dieser bestand darin, dass alle Vereine sich der Vereinnahmung und Gleichschaltung des Sports radikal widersetzten. Fünf Jahre lang fanden keine Wettkämpfe mehr statt - ein einmaliger Vorgang, den es so in keinem anderen besetzten Land gab. Seine Widerständigkeit brachte Halvorsen zunächst Gefängnis und Folter, später KZ-Haft in Natzweiler, Neckarelz und Vaihingen ein. Er überlebte nur knapp.
Doch sein Biograf Jürgen Kowalewski ist weit davon entfernt, ihn als Heiligen darzustellen. Bei der Vorstellung seiner neuen Halvorsen-Biografie in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz zeichnete er ein differenziertes Bild des Ausnahmesportlers, sachlich, präzise und vorzüglich recherchiert.
Halvorsen war keineswegs von Anfang an ein Nazi-Gegner. Er verließ zwar den HSV, bei dem er zwölf Jahre lang Spielmacher gewesen war, im Jahr 1933, jedoch nicht aus politischen Gründen. Auch stand er dem Widerstand der norwegischen Arbeitersportvereine gegen die NS-Herrscher zunächst skeptisch gegenüber. Kowalewski stellte vielmehr für die gespannt lauschenden ZuhörerInnen Halvorsens Weg in den Widerstand als einen politischen Lernprozess dar - was dessen Verdienste nicht schmälert, im Gegenteil.
Umgekehrt zeigte er, dass der HSV nach dem Krieg einen vergleichbaren Lernprozess eher vermissen ließ. Bei Halvorsens frühem Tod im Jahr 1955, mit 56 Jahren, gab sein alter Verein eine gewundene, beschönigende und in der Rückschau peinlich wirkende Erklärung ab. Stoff genug für eine lebhaften Schluss-Diskussion ...
Das Buch ist in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz zum Preis von 20 Euro erhältlich.
