Auf den Wegen des Vaters/Großvaters
Joelle Boursier und Familie legten ein Blumengesteck am KZ-Monument in Neckargerach nieder

Ein bewegender Moment der Erinnerung: Joelle Boursier (3. von links) am Denkmal in Neckargerach
Joelle Boursier, Tochter des ehemaligen KZ-Häftlings André Delpech, besuchte am 30. April die Stätte, wo sich 1944/45 das KZ-Außenlager Neckargerach befand. Sie war in einer doppelten Mission unterwegs, als Tochter eines Überlebenden einerseits, als Vertreterin des Freundschaftsbundes der ehemaligen Häftlinge von Dachau andererseits. In letzterem Namen legte sie ein Blumengebinde des “Comité international de Dachau” am Gedenk-Monument in Neckargerach nieder.
Der Vater, André Delpech, war im Juli 1944 als 19jähriger politischer Häftling aus dem KZ Dachau nach Neckargerach überstellt worden. Er blieb dort bis Ende März 1945. Erschöpft von der Schwerstarbeit im Stollen “Goldfisch” war er bei der Evakuierung von Neckargerach als “nicht gehfähig” eingestuft worden. Zusammen mit knapp 900 weiteren Kameraden sollte er deshalb am Kriegsende mit dem Zug in Richtung Dachau evakuiert werden. Dieser Zug kam dort nie an, sondern geriet bei Osterburken zwischen die Fronten - am 4. April 1945 kam Delpech endlich frei.
Nach dem Krieg wurde durchlief er eine Offizierslaufbahn und wurde schließlich Generalleutnant der französischen Armee. Daneben engagierte er sich in der Erinnerungsarbeit und wurde 1991 Präsident der französischen Amicale des KZ Dachau und gleichzeitig Präsident der Internationalen Komitees von Dachau. André Delpech starb 2012 in seinem Heimat-Departement Dordogne.
Joelle Boursier, die auch ein Buch über ihren Vater geschrieben hat, war es ein großes Anliegen, ihrer Familie den Ort des ehemaligen Lagers und das 1953 errichtete Monument zu zeigen. Dort bewegte sie sich gleichsam auf heimischem Terrain: das kleine Grundstück rund um das Monument wurde damals von der Amicale de Dachau erworben.
