"Das KZ vor der Haustür" - Ausstellung des Landesdenkmalamts in der Sparkasse Neckarelz

Einblicke in das landesweite "Erfassungsprojekt Natzweiler" gibt die Ausstellung noch bis zum 26. Mai 2025. Am 28. April wurde sie eröffnet.

Nach der Ausstellungseröffnung am 28.4.2025: Stadtrat Timo Riedinger, Sparkassendirektor Krämer, Dorothee Roos (KZ-Gedenkstätte Neckarelz), Projektleiter Dr. Christian Bollacher (LAD)

Die Ausstellung hat eine ungewöhnliche Form: ein Tisch mit acht Plätzen, knappe Infotexte, zu jedem Platz gehört jeweils eine Vitrine. Darin finden sich ganz unscheinbare Gegenstände: ein Löffelstiel, eine kaputte Schuhsohle, abgenutzte Tuben aus Metall. Alle sind Fundstücke, die Wissenschaftler des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg (LAD) bei archäologischen Grabungen an früheren Außenlager-Stätten des Konzentrationslagers Natzweiler gefunden haben. Die Objekte stehen – konkret wie symbolisch – für Themen der KZ-Geschichte: Schwerstarbeit, Mangelernährung, miserable Hygiene und vieles mehr. 

Die Grabungen fanden im Rahmen des mehrjährigen „Erfassungsprojekts Natzweiler“ des LAD  statt. An insgesamt 35 Orten im heutigen Baden-Württemberg wurden in den Jahren 1943-45 Außenlager des im Elsass gelegenen „Stammlagers“ Natzweiler errichtet – meist bei Firmen der Rüstungsindustrie, aber auch bei militärisch genutzten Flughäfen. Die Fachleute des LAD  nutzten bei der Recherche einerseits das bei den Gedenkstätten der Außenlager angesammelte Wissen, andererseits modernste geophysikalische Verfahren. Die Überblendung von historischen alliierten Luftaufnahmen mit neuesten Georadar-Bildgebungen zeigte, wo noch Lager-Überreste unter einer Gras- oder Humusdecke zu finden sein könnten. 

Alle Fundorte wurden kartiert, beschrieben und in fotogestützte Datenbanken eingepflegt. An einigen Stellen gab es Sondierungsgrabungen – und bald traten Fundamente von Lager-Baracken, Industrieanlagen, Verbindungswegen, Zaunpfosten oder Wachgebäuden zutage. Die Ausstellung zeigt kleinere Fundstücke dieser Bodenerkundungen, darunter auch solche aus Obrigheim-Asbach. Auf zwei großen Info-Tafeln werden Ziele und Verfahren des großen „Erfassungs-Projekts Natzweiler“ erläutert und durch Fotos dokumentiert.