Gemeinsame Suche: Auf den Spuren von Marius Baud und Guy Busca

Deutsch-französisches Schulprojekt der Realschule Eberbach in Kooperation mit der Gedenkstätte

Wie fühlt es sich an, in Holzschuhen den steilen Weg zum Stolleneingang zu laufen? Dieser Erfahrung stellten sich einige der Jugendlichen. Foto: Bernhard Theis

Die Realschule Eberbach ist bekannt für ihre handlungsorientierten und kreativen Projekte zur Erinnerungskultur. Zum ersten Mal gab es dabei eine Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Neckarelz. 
Der Hintergrund: durch Recherchen in Archiven hatten die Geschichtslehrer Martin Kohler und Christina Frischholz zwei KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Neckargerach entdeckt, deren Herkunft bzw. Einsatzort sie aufhorchen ließen. Denn hier gab es eine enge Verbindung zur Eberbacher Partnerstadt Thonon-les-Bains bzw. das Département Haute-Savoie. Der Widerstandskämpfer Marius Baud stammte von dort, Guy Busca aus Le Mans hatte sich in der gebirgigen Alpengegend einer Widerstandsgruppe angeschlossen. Beide überlebten die KZ-Haft nicht, ihre Körper wurden 1944 auf dem KZ-Friedhof Binau begraben.
 
Gemeinsam mit französischen KollegInnen aus Partnerschulen aus der Region entstand eine Projektidee mit einer klaren Struktur: die französischen SchülerInnen sollten die Lebensläufe der beiden Männer bis zur Verhaftung recherchieren, die deutschen dann den Weg der beiden durch Gefängnisse und Lager bis zu ihrem Tod nachverfolgen. Dabei waren auch Begegnungen mit gemeinsamer Arbeit in Frankreich und Deutschland vorgesehen. Denn es ging auch darum, die geschichtlichen Bedingungen der NS-Zeit auszuleuchten und wechselseitig zu verstehen, was damals passierte. Insgesamt umfasste der Projektzeitraum mehrere Monate. 

Schlusspunkt der in mehreren Hinsichten an und über Grenzen gehenden Arbeit war dann ein gemeinsamer deutsch-französischer Projekttag in der Gedenkstätte, nachdem die biografischen Recherchen abgeschlossen waren.  In drei Gruppen, zwei französischsprachigen und einer deutschsprachigen, erarbeiteten die Jugendlichen selbstständig die Lebensbedingungen in den KZ-Lagern am Neckar, bei einer Begehung des Geschichtslehrpfads “Goldfisch” spürten sie am eigenen Leib den mühseligen Weg zur Arbeit. Anschließend fuhr man zum Ort des ehemaligen Lagers Neckargerach, wo Texte gemeinsam gelesen wurden, ehe der Tag mit einer feierlichen Gedenkstunde auf dem KZ-Friedhof Binau endete.