Riesiges Interesse an Vortrag von Arno Huth

Überblick zu den Häftlingen der Neckarlager

So voll war der Seminarraum der KZ-Gedenkstätte Neckarelz noch nie - bis auf den Flur hinaus drängten sich Interessierte, um den Vortrag von Arno zum Gedenktag des 27. Januar zu hören. Unter dem Thema "Winkel, Nationen, Menschen - Wer waren die Häftlinge der Neckarlager?" gab Arno Huth eine Übersicht zu den ca. 5.200 in den Neckar-KZs inhaftierten Menschen.
Huth ging zunächst auf die Kenntlichmachung der Häftlinge nach verschiedenen Haft-Kategorien, abzulesen an den Farben der Winkel, welche die Menschen auf ihren gestreiften Anzug nähen mussten. In den Neckarlagern war die einzelnen Gruppen sehr unterschiedlich groß. 90% der Gefangenen trugen den roten Winkel der Widerständigen. Huth machte deutlich, dass dies nicht immer politischen Widerstand in den Heimatländern bedeutete. Die Nazis bestraften häufig auch Zwangsarbeiter, die sich der Schufterei in Deutschland durch Flucht oder "Bummelei" entzogen, mit der Einweisung in ein KZ.
Die zweitgrößte Gruppe bildeten mit 4 %die sogenannten "Asozialen", ebenfalls eine heterogen Gruppe aus unangepasst lebenden oder als "arbeitsscheu" gebrandmarkten Menschen. Aber auch die rassistisch verfolgten Sinti trugen den schwarzen Winkel dieser Gruppe.
Bei den jüdischen Häftlingen hängt die zahlenmäßige Einordnung davon ab, ob 198 jüdische Frauen, die in der Auflösungsphase der Lager eine Woche in Neckargerach Station machten, mitgezählt werden oder nicht. Je nachdem macht Anteil der Juden unter dem Häftlingen 6% oder knapp 3% aus.
2% der Gefangenen trugen den grünen Winkel der "Kriminellen", Homosexuelle und Zeugen Jehovas bildeten sehr kleine Minderheiten.
Huth gliederte seinen Vortrag nach den verschiedenen Transporten - diese kamen im Frühjahr und Sommer 1944 aus den "großen" Lagern Dachau, Groß-Rosen, Natzweiler und Sachsenhausen, im Herbst  zusätzlich noch aus aufgelösten linksrheinischen Außenlagern von Natzweiler. Teils waren sie national bunt gemischt, teils brachten sie relativ homogene nationale Gruppen in die Region. Jeder dritte Häftling war Pole, jeder vierte Franzose oder Sowjetbürger - die Restgruppe teilte sich dann unter weitere mindestens 22 Nationen auf, darunter auch "exotische" wie Brasilien oder Irak.
Neben dem großen Rahmen des Überblicks kamen indes persönliche Schicksale nicht zu kurz - immer wieder streute Huth erstaunliche und berührende Lebensgeschichten in seinen Vortrag ein.