"Sie starben in der Fremde"

"Ausländergräber" im Mittelpunkt der Gedenkfeier am Volkstrauertag

Maike Popp, Arno Huth und Corinna Scharrenberg (v.l.n.r.) vor dem Kriegerdenkmal auf dem Mosbacher Friedhof. Foto: stm

Jedes Jahr am Volkstrauertag gedenkt die Stadt Mosbach auf dem Friedhof der Opfer von Krieg und Gewalt. Wohl zum ersten Mal standen im Jahr 2023 jene Kriegsopfer im Mittelpunkt, die im Zweiten Weltkrieg fern ihrer Heimat starben und in Mosbach bestattet wurden. Eine kleine Arbeitsgruppe des Vereins KZ-Gedenkstätte hatte zu ihnen recherchiert. Die Auskünfte aus den Akten sind eher spärlich, doch verstanden es Arno Huth, Maike Popp und Corinna Scharrenberg, den ZuhörerInnen einige Menschen stellvertretend für andere sehr nahe zu rücken - durch eine persönliche Anrede über die Grenzen von Zeit und Tod hinweg.

Zuvor stellte Oberbürgermeister Julian Stipp das Grundgesetz und seine Gebote, darunter die unbedingt zu achtende Würde des Menschen, in den Mittelpunkt einer engagierten Rede. Wie eine Antwort darauf schilderte die russischstämmige Irina Drantusowa die jahrzehntelange Suche nach dem Grab ihres Großvaters, der in Mosbach als Zwangsarbeiter starb. Ihre angedeutete Verbindung zu heutigem Kriegsgeschehen traf auf viel Verständnis ...

Maria Schopowa und Kasimierz Kaczmarek waren Kinder von Zwangsarbeiterinnen. Die eigene Mutter ertränkte Maria im Alter von neun Tagen, Kasimierz hingegen starb mit sieben Jahren. Warum? -  "Wir wisssen es nicht." Dieser Satz kam häufig vor. Doch Nicht-Wissen bedeutet nicht, dass Gedenken unmöglich wäre ...
Helena Petryszyn hingegen musste selbst Zwangsarbeit leisten, Kurz vor ihrem 17. Geburtstag starb sie an "Herzlähmung".
Nicht wenige KZ-Häfltinge erlebten zwar die Befreiung Anfang April 1945, konnten jedoch nicht nach Hause zurückkehren. So der Sinto Karl Bernhardt, der die KZ Auschwitz, Natzweiler und Neckarelz überlebte, aber in Osterburken starb. Für die Jüdin Ryfka Grossman wurde nach den KZ-Stationen Auschwitz, Bergen-Belsen, Geisenheim und - ganz kurz - Neckargerach schließlich Mosbach zum Sterbeort.
Nach 12 Jahren Nazi-Begeisterung waren dem SS-Mann Karl Lohnegger plötzlich Zweifel gekommen. Kritische Bemerkungen brachten ihm sechs Jahre Straflager und Zwangsarbeit bei "Goldfisch" ein. Er starb bei einem Bombenangriff im SS-Strafgefangenenlager beim Mosbacher Hammerweg.

Die Gräber all diese Menschen - und noch viele andere - befinden sich in Nord-Ost-Ecke des Mosbacher Friedhofs nah an der B 27. Möglicherweise wird es eines Tages eine Tafel geben, auf der man Namen und Schicksale per QR-Code finden kann.

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