Der Raum „KZ-Komplex Neckarlager“

Ein Raum zum Selbst-Entdecken

Dieser Ausstellungsbereich ist der größte der Gedenkstätte. Er ist in verschiedene Teile gegliedert und so angelegt, dass die Besucher die Geschichte selbst entdecken können.

Eine Europakarte zeigt die Herkunft und Anzahl der Häftlinge aus den verschiedenen Ländern – Menschen aus ganz Europa waren 1944/45 zwangsweise am Neckar versammelt.

Verschiedene Themenstationen sind dem Alltag der Häftlinge im Lager gewidmet; dabei steht jedes Thema für sich, so dass keine bestimmte Reihenfolge eingehalten werden muss. An der südlichen Wand wird der Blick zur Schule als wichtige Sicht-Achse genutzt, denn auch die Fenster bzw. das, was man durch sie sieht, sind Teil der Stationen.

 

Zeichnungen von Jacques Barrau

Die Besucher finden Originalgegenstände in Vitrinen, aber auch symbolische Zusammenstellungen von Gegenständen, die manchmal Rätsel aufgeben. Diese Rätsel zu entschlüsseln gehört zum pädagogischen Konzept  der Gedenkstätte.

Als eine Art Roter Faden dienen die Zeichnungen des ehemaligen Häftlings Jacques Barrau. Ihm gelang es, im Lager heimlich zu zeichnen. Da es keine Fotos aus dem Lager Neckarelz gibt, stellen seine Zeichnungen die wichtigste Bildquelle zum KZ Neckarelz dar.

Großformatige Luftaufnahmen von 1944 und der heutigen Zeit ermöglichen eine räumliche Orientierung im Bereich Neckarelz-Obrigheim, eine Karte gibt einen Überblick über die Rüstungsfirmen und den KZ-Komplex am Neckar, dem der Raum seinen Namen verdankt.

27 Biografien aus Europa

Gefüllt wird der Raum von 27 lebensgroßen Figuren, die aber bei näherem Hinsehen durchaus verschiedene Merkmale aufweisen. Sie bilden in einer Größenordnung, die ungefähr einer Schulklasse entspricht, die „Lagergesellschaft“ ab.

Dabei stehen die Häftlinge, ihre verschiedenen Herkunftsländer und unterschiedlichen Haft-Kategorien im Vordergrund. Doch man findet auch Wachleute oder Einwohner von Neckarelz Die Besucher können die dazu gehörigen Lebensgeschichten auf Holztafeln mit der Überschrift „27 Biografien aus Europa“ selbst finden.


Die Schubladen

Ein großer Schreibtisch gibt ein Bild von der Lagerbürokratie und wird durch Bilder und Biografien der Lagerkommandanten als Ort der Täter ausgewiesen. In zwei Ordnern sind die Namen aller Häftlinge der sechs Neckarlager in alphabetischer Reihenfolge sowie die Namen der Toten nach dem Sterbedatum geordnet.

Auf den ersten Blick zeigt die Ausstellung nur wenig Text. Das gilt für alle Räume der Gedenkstätte gleichermaßen. Weitere Informationen sind in Schubladen verborgen, die der Besucher nach seinem eigenen Belieben öffnen und „heranziehen“ kann.