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Vor 75 Jahren: Ein KZ-KOmmandant zieht von Natzweiler nach Guttenbach

Am 23. November 1944 entdeckten US-Truppen das leere Hauptlager

Feier vom 23.11.2019: Fanzösische und amerikanische Flaggen vor dem Eingang zum ehemaligen Lagergelände

Natzwiller im Elsass, 23. November 2019. Eine feierliche Zeremonie, Trikoloren, militärisches Zeremoniell. Doch auch die amerikanische Botschafterin ist aus Paris zur Gedenkstätte des Konzentrationslagers Natzweiler im Elsass gekommen. Die Feier erinnert daran, dass vor genau 75 Jahren,  am 23. November 1944, Soldaten des 7. Regiments der III. US-Infanterie-Division das Lager Natzweiler an einem Vogesenhang in 800 m Höhe entdeckt haben.
Entdeckt, nicht befreit - denn das Lager war leer. Am 1. September 1944 hatte Kommandant Fritz Hartjenstein den Räumungsbefehl erteilt.  Häftlinge aus den 13 Außenlagern in Lothringen und dem Elsass waren zuvor in Natzweiler zusammengezogen worden, mit über 6.000 Mann war das Hautplager völlig überfüllt. Tausende wurden zum Konzentrationslager Dachau gebracht und von dort dann auf Außenlager der Komplexe Dachau und Natzweiler weiterverteilt. Manche gelangten auch direkt in schon bestehende oder neu gegründete Außenlager.
Jedoch: bis 22. November hatten der Stellertreter des Kommandanten und sein etwa 20köpfiger SS-Verwaltungsstab noch im ehemaligen Hotel Struthof unterhalb des leeren Lagers gewohnt. Zusammen mit einem Dutzend noch verbliebener Häftlingen hatten sie quasi in letzter Minute ihren Arbeitsort verlassen. Der Tross mit vielen Lastwagen zog nach Osten, über den Rhein, in zwei kleine Neckardörfer: Guttenbach und Binau. Kommandant Hartjenstein wohnte nunmehr im Gasthaus „Karpfen“ in der Ortsmitte von Guttenbach; in einigen kleinen Baracken in der Nähe wurde die neue Kommandantur aufgebaut. Der SS-Verwaltungsstab fand seine Heimstatt in der beschlagnahmten Grundschule von Binau, die Vorräte des Lagers Natzweiler  wurden im Speicher des Binauer Schlosses gelagert, der Fuhrpark der SS kam nach Neunkirchen. Ein Dutzend Häftlinge, die in der Kommandantur arbeiteten, wurden im Lager Neckargerach untergebracht.
Hartjenstein gelang es, die zentralen Verwaltungsstrukturen des Komplexes  mit seinen ca. 30 Außenlagern auf der rechten Rheinseite neu aufzubauen. Von Guttenbach aus befehligte er den weit in Südwestdeutschland verstreuten KZ-Komplex. Auch als der Ort des Hauptlagers längst befreit war, ging der Terror weiter - bis zum Frühjahr 1945. "Natzweiler" lag jetzt am Neckar.