189 Namen - Menschen aus 10 Ländern

Schüler aus Heidelberg ehren die Toten der Neckarlager

06.04.2018

Johann Janeschewski, 20 Jahre; Stefan Guzek, 36 Jahre; Anton Valejn, 31 Jahre; Jacques Brack, 23 Jahre; Guillaume d'Ussel, 38 Jahre, Nikolai Lapenko, 18 Jahre ... Junge Leute von 15/16 Jahren, Neuntklässler aus dem Elisabeth-von-Thadden-Gymnasium Heidelberg lesen Namen von Toten vor, die kamen aus vielen Ländern und starben am Neckar ...
Es ist kalt und neblig an diesem Morgen auf dem jüdischen Friedhof in Binau. Die Toten aus den sechs Konzentrationslagern der Region wurden 1944/45 dort begraben, auch wenn die große Mehrzahl von ihnen keine Juden waren. Warum der Friedhof damals als KZ-Friedhof verwendet wurde - er war nach der Deportation der badischen Juden 1940 an das Reich gefallen - hat zuvor Gerd Teßmer als Kenner der Lokalgeschichte erklärt. Er ist zusammen mit Bürgermeister René Friedrich gekommen, um die Gruppe zu begrüßen, wegen des schlechten Wetters wurden sie sogar am Bahnhof mit Feuerwehrfahrzeugen abgeholt. 
Die Schüler aus Heidelberg haben sich unter Anleitung ihrer Lehrerin Eva Bernhardt intensiv mit der Geschichte der Toten der Neckarlager befasst. Insgesamt starben zwischen dem 13. April 1944 und dem 24. März 1945 in den Lagern 267 Männer, die ersten 78 wurden im Heidelberger Krematorium verbrannt, die Asche auf dem Friedhof in Heidelberg-Kirchheim vergraben. Wo diese Asche sich jetzt genau befindet, wird gerade erforscht. Wenn der Ort gefunden ist, wollen die Schüler ein kleines Monument mit den Namen errichten, das sie selbst entworfen haben; immer wieder fragen Familienangehörige bei der KZ-Gedenkstätte an; bislang gibt es keinen Ort, wo sie trauern könnten.
In den Neckarlagern erschien der SS ab Ende Oktober der Transport der Toten nach Heidelberg zu aufwändig, sie ließ die Körper in zwei Massengräbern in Binau verscharren. Erst 1952 wurden sie durch eine französische Kommission exhumiert und würdig bestattet, die Franzosen in die Heimat überführt. .
Die Schüler kennen die Liste - doch erst laut gelesen erhalten die Namen eine große Kraft, der sich niemand entziehen kann. Es sind längst nicht alle Toten, wer später gestorben ist, liegt nicht in Binau. 189 Namen, Menschen aus 10 Ländern - es dauert lang, alle vorzulesen. Danach stellt jede/r LeserIn eine Frühlingsblume in eine Vase, direkt vor der Inschrift "Requiescant in pace" - mögen sie in Frieden ruhen.