Tobias Markowitsch und Kattrin Rautnig
Goldfisch und Zebra
Das Konzentrationslageraußenkommando Neckarelz
Konzentrationslager des Verlagerungsprojektes A8 und Außenkommando von Natzweiler-Struthof
Auschwitz, Dachau, Bergen-Belsen Namen, die aufschrecken lassen und die Gräuel der NS-Diktatur ins Gedächtnis rufen. Wer schreckt jedoch bei den Namen »Neckarelz«, »Neckargerach«, »Asbach« oder »Neckarbischofsheim« auf? Das weit verzweigte System der »kleinen« Lager, also der Außenkommandos der großen Konzentrationslager, stand bisher nicht im Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Somit ist kaum jemandem bewusst, dass es im Jahr 1944 rund 600 solcher kleiner Konzentrationslager auf dem Gebiet des Deutschen Reiches gab, allein ca. 60 im heutigen Baden-Württemberg. Wozu dienten sie? Wer wurde dort eingesperrt und ausgebeutet? Wer war dafür verantwortlich?
Die Studie von Kattrin Rautnig und Tobias Markowitsch betrachtet diese und weitere Aspekte am Fallbeispiel Neckarelz, einem Außenkommando des KZ Natzweiler-Struthof. Die Autoren gehen der Frage nach, warum das Lager Neckarelz entstand und zeichnen seine Entwicklung vom Außenkommando zum Lagerkomplex im Neckartal bis hin zur Evakuierung nach. Einen Schwerpunkt bildet die eingehende Beschreibung der alltäglichen Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen sowie der medizinischen Versorgung der Inhaftierten. Für Historikerinnen und Historiker ergänzt dieses Buch die bereits zu anderen Lagern erschienenen Beiträge. Interessierten Leserinnen und Lesern ermöglicht es nahe Einblicke in die Geschichte eines Konzentrationslagers, das inmitten eines beschaulichen Ortes entstand, und erzählt ein besonderes, nachdenkliches Kapitel der Heimatgeschichte. Ein Kapitel, in welchem harmlose Begriffe wie »Goldfisch« und »Zebra« Ausbeutung, Unmenschlichkeit und maßlose Selbstüberschätzung verdeckten.