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KZ-Gedenkstätte
Neckarelz e. V.

Studienreise nach Gurs auf den Spuren der deportierten Juden

Karlsruhe/Freiburg/Mosbach. Nicht mit dem Flugzeug sollte die Reise gehen, um die riesige Entfernung spürbar werden zu lassen: knapp vierzig Teilnehmer aus ganz Baden reisten Anfang September per Bus nach Gurs in Südwestfrankreich. Dorthin, zum Fuß der Westpyrenäen, waren im Oktober 1940 an einem einzigen Tag sämtliche Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland deportiert worden, insgesamt 6 500 Personen. Viele starben dort, manche konnten sich retten; zwei Jahre später wurden die übrig Gebliebenen von Gurs aus in die Vernichtungslager des Ostens gebracht.

Die Reise auf den Spuren der Deportierten wurde von der Arbeitsstelle Frieden der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Erzdiözese Freiburg veranstaltet, die Organisation lag bei der KZ-Gedenkstätte Neckarelz, die Schirmherrschaft übernahm der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Dr. Achim Brötel. Denn im Neckar-Odenwald-Kreis, beim Jugendheim in Neckarzimmern, befindet sich auch das Mahnmal an die Deportation der badischen Juden, das langsam entsteht und ausschließlich von Jugendlichen gestaltet wird (www.mahnmal-projekt.de).

Die Exkursion nach Gurs war indes keine Jugendreise, sondern wendete sich, gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung, an Multiplikatoren der Gedenkarbeit in Kirchen, Schulen und freien Vereinigungen. Denn trotz wachsender Bibliotheken über Verfolgung und NS-Diktatur ist das besondere Schicksal der badischen Juden in der Gesellschaft noch weitgehend unbekannt.

Zwei Teilnehmer eine Tafel lesendDie lange Reise, bei der die Teilnehmer in 6 Tagen über weit über 3000 km zurücklegten, führte über zwei Zwischenstationen nach Gurs. Die erste war das Kinderheim in Izieu an der obenen Rhône, wo mutige Pädagogen Kinder betreuten, die aus den Lagern gerettet werden konnten - bis das Heim ins Visier des Lyoner Gestapo-Chefs Klaus Barbie geriet. Keines der Kinder überlebte die Deportation nach Auschwitz.

Ein Ort der Hoffnung war hingegen die zweite Station, das Dorf Le Chambon-sur-Lignon in den Cevennen. Aufruhend auf einer Jahrhunderte langen Tradition hugenottischen Widerstands gegen staatliche Verfolgung gewährte die Bevölkerung zwischen 1940 und 1944 insgesamt mehreren Tausend Juden Unterschlupf. Von dort aus fanden viele von ihnen sichere Verstecke oder gelangten in die Schweiz.

Friedhof in GursIn Gurs angekommen, trafen die Besucher auf eine zweiteilige Erinnerungslandschaft, die sich inzwischen zu einem Ganzen fügt. Tief bewegend der Friedhof mit über tausend Grabsteinen, auf denen man heimatlich vertrauten Orte findet: Karlsruhe, Mannheim, Breisach, Mosbach, Kaiserslautern... Seit den 60er Jahren pflegen ihn badische Städte, in Abstimmung mit dem Oberrat der Israeliten.

Doch auf die französische Seite ist aktiv geworden: mehrere Gemeinden der Region haben, mit wissenschaftlicher Unterstützung der »Amicale de Gurs«, in den Wald, der das Lagergelände inzwischen bedeckt, eine Schneise der Erinnerung geschlagen. Ein Empfangspavillon leitet die Besucher auf einen eindrucksvollen dreisprachigen Gedenkweg, der die komplexe Geschichte der Internierung von Spanienflüchtlingen, verfolgten Juden und politisch "Unerwünschten" nachzeichnet. Er wurde am 9.9. 2007 offiziell eingeweiht. Beim Empfang im Festsaal des winzigen Dorfes Gurs versprachen die Besucher, Bürgermeister Cosdemale bei seiner Idee einer internationalen Jugendbegegnungsstätte zu unterstützen.

Gespräch mit ÜberlebendenDoch so berührend all die Gedenkstätten auch sind: die Begegnung mit einem Überlebenden war für viele der Reisenden mit das wichtigste Erlebnis. Paul Niedermann, von Karlruhe nach Gurs deportiert, wurde als Dreizehnjähriger aus dem Lager gerettet und kam über viele Stationen, darunter Izieu, gerade noch rechtzeitig in die Schweiz. Seine Erzählungen schlugen alle in Bann. Zurück bleibt der Eindruck, dass am Ort Gurs sich die europäische Geschichte sich auf einzigartige Weise verdichtet. Neben den badischen Juden waren Menschen aus 53 Nationen im Lager interniert. Aus dem Wald der Vergessens wächst heute die Erinnerung; sie kann jungen Leuten zu geschichtsbewusster Identität im Europa der Zukunft verhelfen.

Aktuell

Ab 26.01. jeden Sonntag von 14 - 17 Uhr geöffnet.

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