»Dieses Gespräch war ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer engen deutsch-französischen
Kooperation« - dies sagte Madame Valerie Drechsler, Direktorin der Gedenkstätte »Centre
Européen du Résistant Déporté - Le Struthof (CERD)« am Ort des ehemaligen Konzentrationslager Natzweiler, am
Ende ihres Arbeitsbesuchs in Mosbach. Sie hatte sich dort Ende Oktober mit einem Arbeitskreis aus
Mitgliedern des Vereins KZ-Gedenkstätte unter Leitung der Vorsitzenden Dorothee
Roos getroffen.
Es ging darum, wie die Ausstellung der künftigen Gedenkstätte Neckarelz von französischer Seite aus unterstützt werden kann. Ein ganzer Raum wird dort nämlich der sogenannten »Ostverschiebung« des Lagers Natzweiler gewidmet sein. Damit ist ein historischer Zusammenhang gemeint, welcher erst in der letzten Zeit in den Fokus der Forschung gerückt ist.
Im Herbst 1944 wurde die Kommandantur des Hauptlagers Natzweiler samt dazu gehörigem SS-Stab sowie weitere zentrale Strukturen (SS-Verwaltungsstab, Effektenkammer, Teile der politischen und medizinischen Abteilung) in die drei Neckardörfer Guttenbach, Binau und Neunkirchen verlagert. Ab diesem Zeitpunkt wurden sämtliche über Baden, Württemberg und Hessen verstreuten Außenlager, etwa 30 an der Zahl, vom neuen Standort aus zentral gesteuert. Der Name »Natzweiler« wurde dabei beibehalten, zugespitzt formuliert kann man von »Natzweiler am Neckar« sprechen.
Doch nicht nur die Kommandantur, auch die Außenlager unterlagen der »Ostverschiebung«. Alle linksrheinischen Außenlager im Elsass und im Moselgebiet wurden aufgelöst, die rechtsrheinischen dafür stärker belegt. Außerdem wurden, trotz oder wegen der verzweifelten Kriegslage, noch ca. 20 neue Außenlager geschaffen, ehe ab Ende März 1945 die Auflösung des Gesamtkomplexes begann.
Die Ausstellung in der neuen Gedenkstätte wird diesen Prozess fassbar machen. Im Natzweiler-Raum können unter anderem über eine interaktive Stele sämtliche 52.000 Häftlingsnamen des Lagers nach neuestem, laufend aktualisiertem Forschungsstand abgerufen werden. Dazu wird zwischen dem vom französischen Verteidigungsministerium getragenen CERD und der Gedenkstätte Neckarelz ein Kooperationsvertrag abgeschlossen, der den Umgang mit den Daten regelt.