Die Gemeinde Neckargerach veranstaltete in Kooperation mit dem KulturHaus
Neckargerach.ein Gedenkwochenende zur Förderung der Baumaßnahmen der
KZ-Gedenkstätte Neckarelz.
Das Programm des Gedenkwochenendes bestand aus einer Kulturveranstaltung am Samstagabend, einem Gottesdienst am Sonntagmorgen und einer öffentlichen Kunstaktion.
Als besondere Gäste des Gedenkwochenendes waren eingeladen, der ehemalige Zwangsarbeiter Zeno Buratto aus Italien als Zeitzeuge und Dorothee Roos, Vorsitzende der KZ-Gedenkstätte Neckarelz.
Aufenthalt und Reise von Herrn Buratto wurden von der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" in Berlin sowie den Förderverein des Friedrich-Ebert- Gymnasiums in Sandhausen finanziell unterstützt.
Bürgermeister Ralf Schnörr eröffnete den feierlichen , Kulturabend. Schüler der Minneburgschule rezitierten vor einer Stacheldrahtinstallation das bekannte Lied "Die Moorsoldaten".
Nach den erklärenden Worten von Dorothee Roos über die Neckarlager, berichtete Zeno Buratto sehr eindrücklich und berührend über seine Deportation und Erfahrungen.
Trotz der qualvollen Härte des Lagerlebens, blieben ihm vor allem die menschlichen Erlebnisse in besonderer Erinnerung. So z.B. der Weihnachtsgottesdienst 1945 im Tempelhaus Neckarelz "Hier bekamen wir von den Bürgern der Gemeinde, neben Lebensmittelgeschenken, auch unsere Würde zurück", so Zeno Buratto.
Kurz vor Kriegsende wurde Neckargerach schwer bombardiert. Zur Unterstützung der Aufräumarbeiten kam auch Zeno Buratto nach Neckargerach. Zwischen der älteren Generation des Abends und Herrn Buratto entstand eine herzliche Verbindung und Anteilnahme am gemeinsam erlebten, harten Schicksal.
Iréne Greiner, Psychologin und Sakrale Künstlerin vom KulturHaus Neckargerach, griff in ihrer anschließenden Rede zum Thema "Leben in schweren Zeiten" den Aspekt heraus: "Wie kann es Menschen gelingen, schwerste Lebensbedingungen und Krisen zu bewältigen? Erfolgreiche Bewältigungsstrategien, wie sie Psychologie und Sozialmedizin erforschten, umfassen im Wesentlichen drei Schwerpunkte:
Die Fähigkeit auf Veränderungen hoffen zu können, der Glaube an innere Kraft und Schutz, die bewahrte Liebe und Humanität zu den Menschen und zu sich selbst.", so Iréne Greiner. Die Lebensgeschichte von Herrn Buratto sei dafür Beispiel und Vorbild. Mit ihren Bildern "Triologie - Glaube Liebe Hoffnung" bekam die Rede einen künstlerischen Ausklang.
Am Ende des Abends erklingt in Originalfassung von 1935 "Die Moorsoldaten". Dazu schleppt sich eine dunkle Figur über die Bühne und verwandelt sich nach und nach. Sonja Hilsenbek, Theaterpädagogin vom KulturHaus, interpretiert in einer Performance dieses alte Lied. Zum Schluss bleibt das "Grosse Gelb" der Hoffnung übrig.
Am Sonntag nach dem Gottesdienst traf man sich, beim Gedenkstein für die KZ-Häftlinge in der Weisbacher Straße, zu einer gemeinschaftlichen Kunstaktion "Ein Stück Geschichte" Auf dem Boden lag eine 10 Meter lange, weiße Leinwand ausgerollt, davor fußgroße schwarze Stempelkissen, ein Korb voll schwarzer Handtücher und warmes Wasser. Durch die Erinnerungen des Vorabends eingestimmt, geht jeder Besucher barfuß über die Leinwand und hinterlässt schwarze Spuren.
Alle Generationen sind an diesem Morgen vertreten: Zeno Buratto geht als erster, es folgen ihm große und kleine Füße, die Dorfältesten genauso wie die Jüngsten.
Der entstandene Spurenweg wird nun zerteilt. Für alle Gemeinden der Neckarlager wird "Ein Stück Geschichte" entstehen. Die Bilder werden jetzt bearbeitet und aufgespannt und später bei einer Spendenaktion an die Gemeinden überreicht. Der Erlös kommt der KZ-Gedenkstätte Neckarelz für ihre Baumaßnahmen zugute.