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KZ-Gedenkstätte
Neckarelz e. V.

Bild neue KZ-Gedenkstätte

Schreiben war bereits ein Akt des Widerstands

Peter Härtling besuchte die KZ-Gedenkstätte Neckarelz

Text und Fotos: Peter Lahr

Peter Härtling liest. Neckarelz. Bevor Peter Härtling am Donnerstagabend im NKG aus dem Roman »Der Wanderer« las (siehe gesonderter Artikel), besuchte er am Nachmittag die KZ-Gedenkstätte Neckarelz, den Nutznießer der abendlichen Benefiz-Veranstaltung. Vereinsvorsitzende Dorothee Roos führte einen aufmerksamen Gast durch die momentan räumlich eingeschränkte Gedenkstätte und erfuhr zu ihrer eigenen Überraschung, dass sich der Schriftsteller in seinem Heimatort Mörfelden-Walldorf nahe Frankfurt für eine ganz ähnliche Initiative stark gemacht hatte. Während einer Studienfahrt in das KZ Buchenwald hatten drei Jugendliche 1972 auf einer Übersichtskarte entdeckt, dass sich in ihrer Heimat ein KZ befunden haben soll. Zunächst ernteten sie bei Nachfragen vor Ort nur zweifelndes Erstaunen. Doch schließlich fanden sie heraus, dass im Herbst 1944 ein Außenlager des KZs Natzweiler in Walldorf eingerichtet wurde, für 1 700 jüdische Zwangsarbeiterinnen aus Ungarn. Im Wald entdeckten sie 1978 den Keller unter der ehemaligen Küchenbaracke. »Ich half den Jugendlichen, das durchzusetzen, indem ich eine Geschichte schrieb«, erläuterte Peter Härtling. »Ich war der Anstoßer«, umschrieb er seine Rolle bei dem im Jahr 2000 eingerichteten historischen Lehrpfad.

Peter Härtling liest. »Die Schule mit den Blümchen«, wunderte sich Peter Härtling, als er am Donnerstag im sonnigen Schulhof stand, dem einstigen Appellplatz, und auf das Gebäude blickte. Was dem Autor spontan »makaber« anmutete, dem gewann Dorothee Roos, Vorsitzende des Vereins KZ-Gedenkstätte, auch eine positive Facette ab: »Das Gebäude diente 99 Jahre als Schule und ein Jahr als KZ. Es zeigt, dass man etwas aus der Vergangenheit lernen kann.« Peter Härtling stellt viele Fragen. Man merkte schnell, dass es ihm ein echtes Anliegen ist, mehr über die Gedenkstätte zu erfahren. »Seit wann gibt es die Erinnerung?«, wollte er wissen. Fragte, ob denn die »Alten« mitgemacht hätten Peter Härtling liest. und freute sich über die regelmäßigen Öffnungszeiten. »Ist ja toll«, entfuhr es Härtling, als er einen Blick auf die Speisekarte warf, die ein französischer Häftling im KZ verfasst hatte. »Ist eine Utopie«, schlussfolgerte er schnell. »Das Aufschreiben war bereits ein Akt des Widerstands«, ergänzte Dorothee Roos. Wie denn die Zeichnungen von Jacques Barrau ihren Weg nach Neckarelz gefunden haben, interessierte Härtling ebenfalls.

»Ich wünsche ihrer Arbeit Wirkung und Erfolg«, resümierte Peter Härtling am Ende seiner Lesung. Dass er die Gedenkstätte für ein wichtiges Projekt halte, unterstrich er bereits am Nachmittag. Beeindruckt zeigte er sich auch von dem Ausstellungs-Konzept, das nicht auf lange Texte setzt, sondern gewissermaßen »Bilderrätsel« aufgibt: »Ich erlebe das immer wieder, wenn ich in Schulen bin. Ein Konzentrationslager ist für die Kinder weit weg. Aber wenn man es an einer Person festmacht, dann sind die Schüler sofort dabei.«

Peter Härtling liest. BUZ: Zusammen mit Dorothee Roos besichtigte Peter Härtling am Donnerstag die KZ-Gedenkstätte Neckarelz. Die Sängerin Hanna Möller und der Pianist Daniel Roos, die bei der abendlichen Benefizveranstaltung mitwirkten, begleiteten den Schriftsteller.

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