27.1.: Lesung mit Karl-Otto Saur junior aus dem Buch über seinen Vater
Unmittelbar vor seinem Selbstmord am 29. April 1945 schrieb Adolf Hitler sein politisches Testament. Darin bestimmte er, wie es nach seinem Tod in NS-Deutschland weitergehen sollte. Er besetzte fast alle Schlüsselpositionen in Partei und Regierung neu - natürlich wurde das alles nie umgesetzt.
Zum Rüstungsminister ernannte er den bisherigen Reichshauptsamtsleiter aus dem Amt für Technik des Ministeriums Speer, Karl-Otto Saur. Dieser war seit 1942 für die technische Seite der Rüstungsproduktion und deren ständige Steigerung zuständig gewesen. Dazu gehörten auch die Rüstungsverlagerungsprojekte unter Tage - darunter das Unternehmen »Goldfisch« in Obrigheim.
Karl-Otto Saur junior, geboren 1944, von Beruf Journalist und Medienfachmann bei der Süddeutschen Zeitung, hat lange gebraucht, um die schwierige Wahrheit über seinen Vater herauszufinden und seine Beziehung zu ihm aufzuarbeiten. Im Jahr 2007 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel »Er stand in Hitlers Testament«. Eigene Passagen wechseln sich darin mit Abschnitten ab, die wiederum sein Sohn, der Buchhändler und Romancier Michael Sauer (Jahrgang 1967), unter der gleichen Überschrift beigesteuert hat. Dabei ergeben sich neue Blicke aus der Familiengeschichte auf die »große« Geschichte und umgekehrt. Insofern ist dieses ungewöhnliche Buch eine Art Drei-Generationen-Projekt geworden.
Am nationalen Gedenktag für die Opfer der NS-Herrschaft, Dienstag, 27. Januar, liest Karl-Otto Saur junior um 19 Uhr im Ganztages-Bereich des Auguste-Pattberg-Gymnasiums in Neckarelz (Zugang ausgeschildert) aus seinem Buch. Der Historiker Tobias Markowitsch (Heidelberg), ehemaliger Schüler des APG, stellt dabei den regionalgeschichtlichen Bezug zum Projekt »Goldfisch« her. Der Verein KZ-Gedenkstätte freut sich über BesucherInnen aller Generationen.