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KZ-Gedenkstätte
Neckarelz e. V.

Bild neue KZ-Gedenkstätte

Wie Geschichte zum Sprechen gebracht wird

SWR 2-Feature über das KZ-Lager und den Stollen in Obrigheim als Vorab-Hörprobe in der KZ-Gedenkstätte

Neckarelz. (ubr)Prelistening am 08.11. Irgendwie hatte auch Friederike Kroitzsch schon vom KZ-Lager in Neckarelz und dem zur Motorenfabrik umgebauten Gipsstollen in Obrigheim Kenntnis. »Aber so ganz genau wusste ich nicht Bescheid«, bekannte die hauptsächlich für den Sender SWR4-Kurpfalzradio tätige Moderatorin. Als überlicherweise im Neckar-Odenwald-Kreis »herumrasende Reporterin« wollte sich die gebürtige Berlinerin intensiv mit einem, mit diesem Thema befassen. Vor einem Jahr ungefähr machte sie sich Gedanken um die Beseitigung dieses Wissensdefizits. Ein halbes Jahr später begann sie, ein Manuskript zu schreiben, ging auf »Spuren- und Restesuche«, sammelte O-Töne, klopfte im Stammhaus in Stuttgart an. Beim Südwestrundfunk, in der Landeskultur-Redaktion und bei Redakteur Winfried Maurer, kam die Idee gut an, ein knapp einstündiges Feature über ein »nachdenklich machendes Stück Heimatgeschichte« zu produzieren. Genauso wird der Beitrag, der in der Samstagabend-Reihe »SWR2 aus dem Land« am 8. November um 22.03 Uhr laufen wird, angekündigt.

Zuvor aber bekamen Menschen aus Mosbach und Umgebung am Sonntagmorgen die Gelegenheit, während einer Matinee in den Räumen der KZ-Gedenkstätte, den Radiobeitrag vorab zu hören. Zum so genannten Pre-Listening waren um die 50 Zuhörer und Zuhörerinnen gekommen. »Schwer begeistert« war Autorin Kroitzsch angesichts des gefüllten Raums und der gelungenen Premiere, der bewusst so gewählt war, dass man beim Hören den Blick auf den Schulhof der Clemens-Brentano-Grundschule hatte, jenes Gebäude und jenen Hof also, der von 1944 bis 1945 als Lager und Appellplatz für die Häftlinge diente, die im Obrigheimer Gipsstollen eine Flugzeugmotorenfabrik aufbauen sollten. Der Tarnname des Rüstungsprojekts »Goldfisch« ergibt zusammen mit den wegen ihrer schwarz-weiß gestreiften Häftlingsanzüge »Zebras« genannten KZ-Gefangenen zugleich den Titel der Sendung: Goldfisch und Zebra.

Eindringlich und neugierig machend beginnt das Feature mit der kommentarlosen Aufzählung von Namen französischer, belgischer und polnischer Männer. Dazu als Hintergrundton das regelmäßige Scheppern eines Zuges auf den Gleisen und Klavierklänge. Dann richtet sich die Aufmerksamkeit eines Sprechers auf »zwei beschauliche Örtchen der deutschen Provinz« in den letzten Kriegsjahren: Neckarelz und Obrigheim. Mit ebenso viel Sachlichkeit wie Einfühlungsvermögen für die Schicksale der Bauhäftlinge, als ein mit Hördokumenten und Fakten reich bestücktes Montagewerk rollt das Feature die Entstehungsgeschichte der Rüstungsfabrik und des Lagers auf, stellt das Projekt nicht nur in den Zusammenhang nationalsozialistischer Politik und wirtschaftlicher Interessen, sondern auch in einen aktuellen gesellschaftlichen und politischen Kontext, vermeidet aber klar Schuldzuweisungen. Fragen ergeben sich von selbst. Zeitzeugen kommen zu Wort, solche, die Friederike Kroitzsch noch aufsuchen konnte wie die Neckarelzerin Ilse Pusch, aber auch solche, die der Verein KZ-Gedenkstätte bereits in einem Hörbuch konserviert hat. Auch die Vereinsaktiven Dorothee Roos, Kattrin Rautnig und Tobias Markowitsch hat die SWR-Frau interviewt und intergriert. Ergebnis: Auch wenn die Hörkost nicht leicht ist - das 57-Minuten-Stück fürs Radio ist keine Minute langweilig.

Prelistening am 08.11.Das ist nicht zuletzt der Regisseurin und den Sprechern zu verdanken, die an der dreitägigen Studioproduktion des Features beteiligt waren. Hatte Autorin Kroitzsch zunächst andere, plakativere Vorstellungen von der Umsetzung ihrer Idee, ist sie über die nun gefundene Form froh, die das Nachdenkliche betont. Das sahen, in diesem Falle »hörten«, die Matinee-Besucher ebenso. Beifall und ausgesprochene Anerkennung gab es nach der Hörprobe gerade von denen, die eigentlich schon viel wussten über das Neckarlager und den Stollen. »Das ist unterhaltsam im besten Sinne«, befand Gemeinderätin Sigrid Schöneboom. Und Kreisrätin Christine Denz meinte: »Das kann man vielen anbieten.«

Wem die Sendezeit von »Goldfisch und Zebra« am kommenden Samstag nach 22 Uhr zu spät ist (»Wir haben nun mal dieses strenge Programmschema«, entschuldigte Winfried Maurer die nächtliche Sendezeit.), dem sei die Möglichkeit empfohlen, sich dieses Stück hörbarer Heimatgeschichte als kostenloses Podcast aus dem Internet zu laden. Natürlich erst nach dem Ausstrahlen über den Sender.

»Schwer begeistert« war die Autorin Friederike Kroitzsch davon, dass zur Vorab-Hörprobe ihres Radio-Features über »Goldfisch und Zebra« so viele Menschen in die KZ-Gedenkstätte Neckarelz gekommen waren. Foto: Ursula Brinkmann

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pdfAuszug aus dem SWR-2-Programmheft Download (ca. 50 kB)


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