Am Tag seines gefeierten Konzerts in Neckarelz (die RNZ berichtete) fand der weltbekannte
Klarinettist und Klezmer-Musiker Giora Feidman noch Zeit, die KZ-Gedenkstätte in Neckarelz
zu besuchen. Dort entwickelte sich eine unerwartete und für alle Beteiligten spannende
Diskussion. Feidman machte nämlich zunächst kein Hehl daraus, dass er
Gedenkstätten eher skeptisch gegenüber steht. Seiner Meinung nach solle es nur
eine einzige auf der Welt geben, nämlich Yad Vashem in Jerusalem.
Ihn störe, so Feidman, dass man junge Leute immer wieder mit schrecklichen Bildern
konfrontiere; seiner Meinung nach solle man lieber zusammen Musik machen, um das Trennende zu
überwinden und zu der allen Menschen gemeinsamen »Seele« vorzudringen, deren tiefste Sehnsucht
auf Harmonie und Frieden gerichtet seien.
Die Vereinsvorsitzende Dorothee Roos erläuterte, dass das Konzept der Gedenkstätte gerade nicht auf eine Überwältigung der Besucher durch grausame Bilder setze. Vielmehr sei den Ausstellungsmachern daran gelegen, bei den BesucherInnen einen Prozess des Nach-Denkens uns der Reflexion auszulösen, symbolisiert durch die an wichtiger Stelle eingesetzten Spiegel. Das Leiden der Gefangenen, überwiegend politische Häftlinge aus 25 europäischen Nationen, werde eher indirekt spürbar; die BesucherInnen bestimmten selber darüber, wie stark sie sich darauf einlassen wollten. Diese Nachdenklichkeit ohne moralischen Zeigefinger solle eine Brücke zwischen Erinnerung und Zukunft schlagen. Ziel der Gedenkstätte sei es, die Notwendigkeit eines friedlichen Miteinanders und der Achtung der Menschenrechte zu betonen - in Europa und weltweit.
» Very good, very interesting - I never saw such a museum«, sagte Giora Feidman am
Abend kurz vor dem Konzert zu Dorothee Roos; » I wish you all the best«.