Die KZ-Gedenkstätte Neckarelz ist umgezogen, bleibt aber ein Lernort am Ort des Geschehens
Mosbach. (ubr) Nur ein einziger Ausstellungssonntag musste ausfallen.
Die KZ-Gedenkstätte war während ihrer ausgewählten
Öffnungszeiten (am jeweils ersten und dritten Sonntag eines Monats) lediglich am 5. August geschlossen.
Mit dem morgigen Sonntag gelten die gewohnten Öffnungszeiten wieder.
Denn die KZ-Gedenkstätte musste umziehen, weil die Räume, in denen der Verein fast ein Jahrzehnt lang
sein als Lernort angelegtes Ausstellungskonzept unterhielt, abgerissen werden. Derzeit wird der Anbau an der
Grundschule Neckarelz, der dem Verein als Ausstellungsfläche diente, mit Schutzanzügen und Mundschutz abgebrochen.
Asbest im Gebäude macht die Maßnahmen nötig.
Nur ein paar Schritte entfernt davon aber kann die Gedenkstätte ihre Arbeit fortsetzen. Zwar ist der Klassenraum der Comenius-Förderschule, in den man umgezogen ist, um ein Vielfaches kleiner, aber eigentlich fehlt es an nichts. »Jedenfalls nicht an Wesentlichem«, meinte Dorothee Roos, erste Vorsitzende des Vereins KZ-Gedenkstätte. »Es ist alles vollwertig, aber eben auf verdichtetem Raum.« In gut ausgeleuchteten Vitrinen sind Original-Stücke zur Geschichte des so genannten Neckarlagers zu sehen, eine Guckkastenwand enthält völlig unkommentierte Installationen, die zum Nachdenken über die Situation der Zwangsarbeiter geradezu zwingen, in einem Rolladenschrank befinden sich Bücher und Publikationen zum Thema. Weil das Konzept auf Nach-Denken und Auseinandersetzung setzt, darf eine Bestuhlung nicht fehlen. »Das Gespräch ist der wichtigste Bestandteil des Ausstellungskonzepts«, ist sich die Pädagogin Roos mit dem Museographen Richard Melling einig. Und die aktuelle »Verwaltung« der Stätte besteht in einem kleinen Schreibtisch mit Telekommunikationsanschluss. Es mangelt also an Nichts. Alles in einem Raum von kaum mehr als 40 Quadratmetern.
Hatte der Verein wegen des Abrisses der alten Räume - die übrigens einen schadhaften Abwasserkanal und das Alter des Gebäudes als Grund haben - zunächst einen kleinen Neubau geplant, taten sich mit der Entscheidung des Gemeinderats, die Comenius-Schule als eine von zwei Förderschulen in Mosbach aufzugeben, neue Möglichkeiten auf. Der Schulbetrieb wird spätestens 2009 eingestellt, ein ganzes Schulhaus steht dann leer. 500 Quadratmeter auf zwei Ebenen. Die Stadt Mosbach bot dem Verein die Nutzung eines Raums an. Mehr noch. Sollte es der Verein bis zum Ende des Schulbetriebes schaffen, eine Sanierung des Gebäudes finanziell sicherstellen zu können, überlässt sie ihm die Comenius-Schule. Damit wäre die jetzige Ausstellungsfläche auf kleinem Raum lediglich eine Zwischenlösung. Nun arbeitet der siebenköpfige Vorstand mit Nachruck daran, diese Finanzierung zu stemmen.
Zunächst aber war mit Ferienbeginn körperliche Arbeit angesagt. Alles musste aus dem ehemaligen Räumen raus, einiges wie die Wand mit Namen der hier Inhaftierten wird den Baggern zum Opfer fallen. Nur ein Teil konnte im neuen Ausstellungszimmer untergebracht werden. Sehr viel muss im vierten Obergeschoss der Clemens-Brentano-Grundschule zwischengelagert werden. Dorthin schleppten freiwillig angetretene Vereinsmitglieder zu Ferienbeginn Bücherkartons und Möbelstücke, Ausstellungs- wie Ausstattungsgegenstände. Und weil Steckdosen wiederverwertet werden können, wurden auch diese ausgebaut. Dass sechs Bundeswehrsoldaten der Luftwaffeninstandhaltungsgruppe Mosbach den Verein eine knappe Woche lang unterstützt haben, war eine enorme Hilfe, die Vorstandsmitglied Gerd Teßmer eingefädelt hatte.
»Wir haben viel bewegt«, meinte Dorothee Roos kurz vor dem Ende des Umzugs. Das ist durchaus doppelt zu verstehen. »Die KZ-Gedenkstätte will etwas in den Köpfen ihrer Besucher bewegen. So verstehen wir unser Konzept.« Dass es aufgeht, belegen die Besucherzahlen, die der Verein (auch anlässlich diverser Veranstaltungen) notiert und mit rund 15 000 seit Anbeginn benennt. »Unser Wissen über das Leben und Arbeiten der KZ-Arbeiter ist in den vergangenen zehn Jahren gewachsen. Die Kontakte wurden in viele Richtungen ausgebaut.« Das soll fortgesetzt werden. Mit einer räumlichen Ausdehnung (in der Comenius-Schule) will man aber vor allem eine Ausweitung und Aufwertung des pädagogischen Konzepts erreichen. Roos: »Der zeitliche Abstand der jungen Menschen zu den Ereignissen in Neckarelz wird einfach immer größer.«
Vergangenheit, Gegenwart und (mögliche?) Zukunft der KZ-Gedenkstätte vereint dieses Bild. Abbruchmaterial der einstigen Ausstellungsräume sammelt sich beim Eingang zum aktuellen Lernort im Gebäude der Comenius-Schule, die vielleicht einmal komplett den Zwecken des Vereins dienen kann. Foto: Ursula Brinkmann
Ab 26.01. jeden Sonntag von 14 - 17 Uhr geöffnet.