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KZ-Gedenkstätte
Neckarelz e. V.

Rede von Dorothee Roos bei der Gedenkfeier in Rothau/Elsass (deutsch)

Rede von Dorothee Roos
1.Vorsitzende KZ-Gedenkstätte Neckarelz
im Rahmen der Gedenkfeier zum 65. Jahrestag der Evakuierung des Lagers Natzweiler Bahnhof Rothau (12/9/09)

Dorothee Roos
Friedrich-Hölderlin-Str. 5
D 74821 Mosbach
0049 62614963
Familie.Roos@gmx.de

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Dorothee Roos bei der Rede. ich danke Ihnen, dass ich in einem so feierlichen und bewegenden Rahmen das Wort an Sie richten darf. Ich möchte mich kurz vorstellen:

Ich heiße Dorothee Roos, komme aus Deutschland und bin die Leiterin der KZ-Gedenkstätte von Neckarelz in Baden-Württemberg.

In Neckarelz befand sich eines der bedeutendsten Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof. Doch nicht nur ein Außenlager allein! Dazu möchte ich einige Worte sagen.

Heute gedenken wir der Evakuierung des Stammlagers, die in den ersten Septembertagen des Jahres 1944 anlief. Damals wurden mehr als 6000 Häftlinge vom Struthof nach Dachau gebracht. Aber das bedeutete keineswegs das Ende des Lagers Natzweiler als solchem. Dieses bestand vielmehr bis März 1945 weiter. Lassen Sie mich in drei kurzen Punkten das letzte Kapitel der Geschichte von Natzweiler-Struthof erzählen.

1.
Das Lager lebte in seinen Außenlagern weiter. Anfang September 44 gab es davon ungefähr 30, im Elsass, Lothringen, in der Pfalz, in Hesssen, Baden und Württemberg.

Aber dieser Kosmos der Außenlager erlebte eine charakteristische Veränderung. Man könnte ihn als »Ostverschiebung« bezeichnen. Die 13 Außenlager auf der linken Seite des Rheins wurden im Lauf des Herbstes 1944 sämtlich aufgelöst. Hingegen wuchs die Belegung der Lager auf der anderen Rheinseite an: sie nahmen Häftlinge aus dem Westen, aber auch aus dem Osten auf. Außerdem entstanden auf der rechten Rheinseite zwischen September 1944 und Januar 1945 nochmals 20 neue Lager! Übrigens wurden auch über 1000 Häftlinge aus Dachau wieder in diese Natzweiler Außenlager rückverlegt.

2.
Doch nicht nur die Außenlager waren von dieser »Ostverschiebung« betroffen. Nach einer Übergangsphase, in welcher einige der zentralen Kommandostrukturen noch im Hotel Struthof blieben, während andere nach Dachau wanderten, wurde schließlich für die wichtigsten zentralen Strukturen ein neuer Ort gefunden. Drei Dörfer am Neckar – Guttenbach, Binau und Neunkirchen – unweit des Außenlagers Neckarelz, wurden zum neuen Zentrum des Lagerkomplexes »Natzweiler«.

Dorthin verlagert wurde die Kommandantur mit dem Kommandanten Fritz Hartjenstein und dem SS-Hauptstab; die Kleider- und Effenktenkammer, der Verwaltungsstab, die politische Abteilung und Teile der medizinischen Abteilung. Die Häftlingspoststelle wurde nach Neckarelz verlegt.

Dem Kommandanten Fritz Hartjenstein gelang es, ab November die zentralen Kommandostrukturen in straffer und effizienter Weise zu reorganisieren. Er profitierte dabei von der guten Infrastruktur, die seit dem Frühjahr 1944 am Außenlager-Standort Neckarelz geschaffen worden waren. Für die nächsten zwei bis drei Monate funktionierte die zentrale Verwaltung gut. Von der Kommandantur am Neckar aus befehligte Hartjenstein sämtliche Außenlager von Natzweiler-Struthof in Deutschland, in denen sich immer noch über 20 000 Häftlinge befanden. Dabei wurde der Namen »Natzweiler« beibehalten.

Dorothee Roos bei der Rede. 3.
Vom Neckar aus organisierte Heinrich Schwarz, der letzte Kommandant von »Natzweiler« (der Natzweiler niemals gesehen hatte!), die Evakuierung aller Lager, auch der Kommandantur. Die Strukturen lösten sich auf. In den Außenlagern begannen die Todesmärsche.

Meine Damen und Herren, diese wenigen Fakten, die ich soeben erläutert habe, bilden das letzte Kapitel der Geschichte von Natzweiler-Struthof. Die Historiker haben begonnen, sich dafür zu interessieren, aber auf der Ebene der Gedenkstätten oder Museen ist dies noch eine unerzählte Geschichte.

Die kleine Gedenkstätte in Neckarelz, die sich gerade im Umbau befindet, wird in ihrer neuen Ausstellung diese Geschichte zum ersten Mal präsentieren. Im neuen Museum wird ein eigener Raum der doppelten »Ostverschiebung« des Lagers Natzweiler gewidmet sein. Dabei werden wir eng mit dem Centre Européen du Résistant Déporté zusammen arbeiten – wie wir es übrigens jetzt schon tun.

Doch wir streben auch eine enge Zusammenarbeit mit den Verbänden und Vereinen an, die sich in den verschiedenen europäischen Ländern der Erinnerungsarbeit widmen.

Lassen Sie uns mit dieser Zusammenarbeit so bald wie möglich beginnen!

Arbeiten wir daran, dass die Geschichte des Lagers Natzweiler in ihrer Gesamtheit niemals vergessen wird!

Ich danke Ihnen sehr für Ihre Aufmerksamkeit.

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