Das Stammlager der »Neckarlager«, das KZ Natzweiler-Struthof in den Vogesen, wurde ab dem 5. September 1944 wegen der herannahenden Front evakuiert.
Die im Hauptlager noch anwesenden 6000 Häftlinge wurden fast alle nach Dachau gebracht.
Die linksrheinischen Außenkommandos, meist im Elsass, aber auch in Lothringen und im deutschen Moseltal gelegen, wurden aufgelöst.
Die Verwaltung der noch bestehenden Außenlager war für eine Übergangszeit gespalten. Kommandant Fritz Hartjenstein blieb mit dem Hauptstab noch im Elsass, andere zentrale Verwaltungsstrukturen wurden nach Dachau verlegt. Möglicher Weise wurde eine völlige Eingliederung nach Dachau erwogen. Allerdings hätte das sehr weite Entfernungen zu den Außenlagern bedeutet. Diese Zeit dauerte etwa zwei Monate.
Doch dann kam es ganz anders. Am 22. November zog Lagerkommandant Fritz Hartjenstein mit dem SS-Hauptstab in das Dorf Guttenbach am Neckar, das nur 1 km vom schon seit Frühjahr bestehenden Außenlager Neckargerach entfernt liegt. Es folgte der Verwaltungsstab, der im Schloss Binau untergebracht wurde. Noch weitere wichtige Einheiten folgten, so dass von diesem Zeitpunkt ab sämtliche Außenlager von Guttenbach/Binau aus verwaltet wurden. Der Grund dafür: rund um das Lager Neckarelz gab es noch eine gut funktionierende Infrastruktur.
Es gelang der Lagerführung, das System »Natzweiler« noch einmal zu reorganisieren. Fast zwanzig neue Lager wurden auf der rechten Rheinseite eingerichtet. Über 20 000 Häftlinge lebten noch in »Natzweiler«, auch wenn es das Hauptlager nicht mehr gab. Sie trugen Natzweiler Häftlingsnummern; im Briefkopf wurde der Name »Natzweiler« beibehalten - doch die zentrale Schreibstube lag nun in Guttenbach. Insgesamt kann man von einer »Ostverschiebung« des Lagerkomplexes sprechen.