Die KZ-Gedenkstätte Neckarelz erzählt die Geschichte der Neckarlager und das letzte Kapitel der Geschichte des KZ Natzweiler im Elsass.
Nach Räumung des dortigen Hauptlagers im Herbst 1944 wurde die Kommandantur von Natzweiler nach Guttenbach in die Elz-Neckar-Region verlegt, der Name »KL Natzweiler« dabei beibehalten.
Dies ist ein in der Geschichte der Konzentrationslager einmaliger Vorgang. Im ländlichen Elzmündungsraum war bereits im Herbst 1944 ein größerer Außenlager-Komplex entstanden. Alle verbliebenen Außenlager von Natzweiler, einige Dutzend mit weit über 20 000 Arbeitssklaven, bildeten nun das zweite »KL Natzweiler« und wurden von hier aus befehligt.
Die Herkunft der Gefangenen und diese zweite Erscheinungsform des »KL Natzweiler« geben der heutigen Gedenkstätte, neben der französischen Gedenkstätte in Natzwiller, eine deutsch-französische und eine europäische Bedeutung. Dieser wurde heute, am 2. Juli 2009, durch die Konstituierung eines international besetzten wissenschaftlichen Beirates Rechnung getragen.
Zur Erinnerung an die Lager und die dort gequälten und ermordeten Menschen wurde vom Verein KZ-Gedenkstätte Neckarelz e.V. im Jahr 1998 eine Gedenkstätte eingerichtet.
Diese Gedenkstätte befindet sich nun in einer entscheidenden Phase ihres Bestehens. Bauschäden erzwangen den Abriss der früheren Museumsräume. Damit besteht jetzt die einmalige Chance, am authentischen Ort, direkt gegenüber der 1944/45 als Konzentrationslager genutzten Grundschule und am ehemaligen Appellplatz, eine neu zu konzipierende Gedenkstätte zu schaffen: Die zum KZ gewordene Schule wird so zu einem wichtigen außerschulischen Lernort.
Die Unterzeichnenden haben diesen Beirat in der Überzeugung gegründet, dass die Konzeption der neuen Gedenkstätte nicht nur den Standards in wissenschaftlicher, architektonischer, museologische und gedenkstättenpädagogischer Hinsicht entspricht, sondern weitere viel versprechende Ansätze und viele innovative Elemente enthält. Dies ist bei einer Gedenkstätte, die historisch-politisch informieren und bilden will, unverzichtbar. Für eine Einrichtung, die ausschließlich vom ehrenamtlichen Engagement eines Vereins getragen wird, ist es überdies ein besonders bemerkens- und unterstützungswertes Vorhaben.
Die Unterzeichnenden werden als Beirat die konzeptionellen Arbeiten begleiten und das Team der Gedenkstätte und die Gestalter beraten; die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg übernimmt dabei Federführung und Koordination. Sie bürgen für die wissenschaftliche Qualität der Konzepte und setzen sich für die Belange der Gedenkstätte ein. Außerdem betreiben sie aktiv die Verbindung der Erinnerungsarbeit in Neckarelz mit der französischen Gedenkstätte »Centre Européen du Résistant Déporté – Struthof (Natzwiller)«. Sie gewährleisten die enge Kooperation mit den Institutionen der Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik. Sie stärken die Zusammenarbeit mit den heutigen Repräsentanten der Verfolgten. Dabei wird auch die europäische Zusammenarbeit in Projekten angestrebt und intensiviert.
Neckarelz, den 2. Juli 2009
Valérie Drechsler
Directrice Centre Européen
du Résistant déporté
Natzwiller/France
Prof. Dr. Johannes Heil
Erster Prorektor der Hochschule
für jüdische Studien
Heidelberg
Dr. Anette Hettinger
Akademische Oberrätin
Pädagogisch Hochschule
Heidelberg
Romani Rose
Vorsitzender des
Dokumentations- und
Kulturzentrums deutscher
Sinti und Roma, Heidelberg
Dr. Robert Steegmann
Professeur agrégé
Strasbourg
Prof. Dr. Peter Steinbach
Ordinarius für Neuere und
Neueste Geschichte
Universität Mannheim
Wiss. Leiter der Gedenkstätte
Deutscher Widerstand
Wissenschaftlicher Beirat für die KZ-Gedenkstätte gegründet
Die Verlagerung des Hauptlagers (KZ Natzweiler-Struthof)
Rede von Dorothee Roos bei der Gedenkfeier in Rothau/Elsass (deutsch)
Echo zur Rede von Dorothee Roos bei Gedenkfeier in Rothau/Elsass (deutsch)
Ab 26.01. jeden Sonntag von 14 - 17 Uhr geöffnet.