Bisher bekannte Fakten über die Verlagerung von Kommandantur und Verwaltung des Stammlagers in den Bereich des KZ-Komplexes der Neckarlager (Zusammenstellung: Arno Huth, KZ-Gedenkstätte Neckarelz)
12. Mai 1944 – SS-Obersturmbannführer Fritz Hartjenstein wurde von Auschwitz nach Natzweiler versetzt und löste Josef Kramer als Kommandant des KL Natzweiler ab. (Steegmann, S. 329).
1. September 1944 – Kommandant Fritz Hartjenstein erhielt telegrafisch vom WVHA in Oranienburg den Räumungsbefehl für das Hauptlager in Natzweiler-Struthof. (Steegmann, S. 159-160).
2. bis 4. September 1944 – Überstellung von 5518 Häftlingen des Hauptlagers zum KL Dachau. (Steegmann, S. 98-99). Am 5.9.1944 wurden dann in Natzweiler die Decken und Kleider nach Dachau verladen. Die restlichen Sachen verblieben vorerst in Natzweiler. Zudem wurden 14 SS-Beschäftigte der Abteilungen II bis V und der Poststelle sowie die Effekten nach Dachau überführt. (Telegramme 1041 und 1061). Vom 8. bis 21.9.1944 belegten 3000 französische Milizionäre das Lager Natzweiler-Struthof. Am 19.9.1944 wurden 401 weitere Häftlinge von Natzweiler nach Dachau überstellt, am 20.9.1944 8 Häftlinge des verbliebenen Revierpersonals nach Neckarelz.
Ab September 1944 – Fortexistenz des KL Natzweiler ohne Hauptlager: Das KL Natzweiler funktionierte ab September 1944 als Außenlagerkomplex ohne Hauptlager weiter, obwohl die zentralen Verwaltungseinheiten auseinander fielen: Häftlinge gingen den Außenkommandos zu, wurden mit Natzweiler Nummern versehen, registriert und verwaltet. (Steegmann, S. 101-104). Kommandant Hartjenstein befehligte das Außenlagersystem des KL Natzweiler, organisierte dessen Umbau, hielt Kontakt zum WVHA und anderen Stellen, war formal zuständig für die Einrichtung neuer Lager sowie für zu- und abgehende Transporte und verhandelte im Auftrag des WVHA mit Rüstungsbetrieben, die Bedarf an Häftlingen angemeldet hatten, oder mit entsprechenden Bauorganisationen wie z. B. der Organisation Todt.
September und Oktober 1944 – Räumung von mindestens 12 linksrheinischen Außenkommandos des KL Natzweiler. Gleichzeitig wurden bis einschließlich Januar 1945 über 20 neue rechtsrheinische Außenkommandos eröffnet.
Ab September 1944 – »Außenlagerkomplex Natzweiler-Dachau« (These von Glauning): Wegen seiner relativ räumlichen Nähe in Süddeutschland übernahm das KL Dachau mit der Räumung des KZ Natzweiler-Struthof viele Aufgaben (siehe oben). Das KL Dachau wurde auch zum Ausbildungslager für die in Natzweiler der SS überstellten Wehrmachtssoldaten. In Dachau wurde zudem eine zweite Ausgabe der Häftlingskartei des KL Natzweiler geführt. (Steegmann, S. 36. Glauning S. 151-153). Zahlreiche Krankentransporte aus den Außenkommandos gingen nach Dachau. Glauning spricht von Auflösungserscheinungen, einer vermehrten Desorganisation und Dezentralisierung des KL Natzweiler. Zentrale Instanzen gingen verloren, es gab keinen in sich geschlossenen Leitungskomplex mehr, sondern eine zersplitterte Verwaltungsstruktur. Es ließe sich von einem »Außenlagerkomplex Natzweiler-Dachau« sprechen. (Glauning, S. 156/157). Steegmann hingegen geht davon aus, dass die Natzweiler Verwaltung nicht der des KL Dachau angeschlossen, sondern nur in Dachau beherbergt wurde. (Steegmann, S. 111).
Doppelstruktur der Politischen Abteilung: Die Politische Abteilung des KL Natzweiler, die vom 30.10.1941 bis April 1945 kontinuierlich von Kriminalsekretär Magnus Wochner geführt wurde, residierte von September bis 20.12.1944 in Dachau. (Steegmann, S. 335). Zum Teil übernahmen auch örtlich amtierende Gestapo-Beamte zentrale Aufgaben der Politischen Abteilung, z. B. Willy Schmidt in Neckarelz oder die Gestapostelle Oberndorf für die Wüste-Lager. Die wichtigsten Verwaltungsfunktionen (Häftlingsdossiers, Immatrikulationen usw.) verblieben jedoch bei Magnus Wochner von der Politischen Abteilung in Dachau. (Steegmann, S. 335. Glauning, S. 153-154).
26. September 1944 – Sonderbefehl zur Neueinteilung des Wachsturmbanns in 11 Kompanien rückwirkend zum 1. September 1944: »Es soll damit erreicht werden, dass eine einheitliche Ausrichtung der Wachmannschaften personell, ausbildungsmäßig, wirtschaftlich, disziplinarisch und erzieherisch erfolgt.«
Oktober 1944 – Entscheidung für die Region um Neckarelz als neuen Stammsitz der Verwaltung und Kommandantur: Das Projekt A 8 in Obrigheim/Neckarelz war das letzte verbliebene der vier Natzweiler A-Projekte. Anfang Oktober 1944 wurden die restlichen Kantinensachen von Natzweiler nach Neckarelz gebracht (Arolsen OCC 17/206), am 20.9.1944 bereits das restliche Personals des Krankenreviers, und mit dem Kommandanturbefehl vom 17.10.1944 wurde Neckarelz als Häftlingspoststelle des KL Natzweiler festgelegt.
22. November 1944 – Fluchtartige und endgültige Räumung des alten Stammsitzes Natzweiler-Struthof. Am Tag darauf betraten US-Soldaten das leere Lager. Sechs Häftlingen gelang dabei die vorzeitige Befreiung. Die restlichen zehn Häftlinge kamen mit dem Rest der SS-Garnison (vielleicht 20 SS-Männer) nach Neckarelz. (Steegmann, S. 161-164. Glauning, S. 151. Interview mit Heini Halsdorf, Archiv KZ-Gedenkstätte Neckarelz).
Mitte November 1944 – Hartjenstein hatte bereits um den 11./17. November Natzweiler verlassen und bereitete die Einrichtung der Kommandantur in Guttenbach im Gasthaus »Zum Karpfen« und in anderen Räumlichkeiten vor. (Glauning, S. 151). (Band 6, Steegmann, S. 42). Glauning spricht jedoch nur von einer Rumpfkommandantur in Guttenbach, die nicht mehr alle fünf Verwaltungsabteilungen umfasste. Bestimmte Bereiche seien auch vom KZ Dachau übernommen worden. (Glauning S. 151-152).
Hartjenstein war somit seit September 1944 der erste Kommandant eines KL ohne reales Hauptlager, sein Hauptstab residierte nun ab November in Guttenbach. Trotzdem funktionierte das KL Natzweiler in seinen Außenkommandos bzw. -lagern und seinen Verwaltungseinheiten weiter. Hartjensteins Hauptstab bestand aus Fernschreibkräften, Telefonisten, Adjutanten und Schreibkräften, insgesamt etwa 15 bis 20 Männern. (Steegmann in Benz/Distel, S. 42). Zudem verrichtete täglich ab dem 30.11.1944 ein Häftlingskommando des Lagers Neckargerach von etwa 15-20 Häftlingen in Guttenbach Schreib- und Säuberungsarbeiten in der Kommandantur und landwirtschaftliche Arbeiten bei Bauern. (Markowitsch, S. 108). Die Gebrüder Seuss waren zuständig für die Abteilung III (Schutzhaft) in Guttenbach. Wolfgang Seuss fungierte als Rapport- und Schutzhaftlagerführer. (Steegmann, S. 333. Glauning, S. 151). Josef Seuss betreute vor allem neue Natzweiler Außenlager in der Aufbauphase zur Wahrung der KZ-Standards. (Baur/Wörner, S. 118-119. Glauning, S. 159).
Oktober oder November 1944 – Einrichtung von Bekleidungskammer und Verwaltung in Binau: Um Oktober 1944 hatte SS-Oberscharführer Otto Gattner den leeren Speicher des Schlosses Binau als neue Kammer für Truppen- und Häftlingsbekleidung ausgesucht. Die Sachen wurden kurze Zeit danach mit Lastwagen von Natzweiler nach Binau transportiert.
Etwa ab Ende November 1944 residierte auch der etwa 15 SS-Männer umfassende Verwaltungsstab des KL Natzweiler in der Kinderschule in Binau. (Glauning, S. 152). (Band 6, Steegmann, S. 42). (Barch B 162 / 419 AR 1771 / 67). Aufgaben waren Verwaltung der Truppenunterkünfte, der Bekleidung, der Abrechnung mit den beteiligten Firmen und Ämtern, z. B. den Kreisernährungsämtern, Materialverwaltung usw. Verwaltungsführer war SS-Obersturmführer Herbert Dillmann. Auch Häftlingskommandos wurden in Binau zu verschiedenen Arbeiten benutzt.
25. November 1944 – Die medizinische Abteilung des KL Natzweiler (Abteilung V), unter anderem der SS-Arzt Dr. Werner Rohde (Glauning, Anm. 126) und zwei Häftlingsärzte (?) kamen nach Neckarelz oder Guttenbach (Glauning, Anm. 124), das medizinische Depot des KL Natzweiler wurde größtenteils nach Schömberg gebracht. Zu Dr. Rohdes Aufgaben zählten die Beaufsichtigung der Lagerärzte (Glauning, S. 155) sowie die Heranziehung ziviler Ärzte wie beispielsweise Dr. Wey in Neckarelz. (Glauning, S. 155/156, Anm. 128). Etwa im Dezember 1944 wurden zwei französische Häftlingszahnärzte nach Neckarelz gebracht. Sie sollten später z. B. in Leonberg unter anderem das Zahngold verstorbener Häftlinge sichern. (Baur/Wörner, S. 190). Ab Ende Oktober 1944 wurde das Außenkommando Vaihingen zum »SS-Kranken- und Erholungslager« des KL Natzweiler umgewandelt, in Wirklichkeit ein Sterbelager.
Anfang Dezember 1944 – Reorganisation der SS-Fahrbereitschaft in Neunkirchen: In Garagen wurden 5 bis 6 Lastwagen untergebracht, im Hinterhof eines Elektrogeschäfts wurde Anfang Dezember 1944 die Reparaturwerkstatt eingerichtet, eine Kochschule diente zur Verpflegung, und die 12 SS-Kraftfahrer wurden in Privatquartieren untergebracht. (Band 6, Steegmann, S. 42). (Interview Heini Halsdorf, Archiv KZ-Gedenkstätte Neckarelz).
20. Dezember 1944 – Der größte Teil der Politischen Abteilung des KL Natzweiler wurde von Dachau nach Guttenbach weiter verlagert. Einen Teil der Papiere behielt die Gestapo/SS in Dachau. (Glauning, S. 154). (Steegmann, Struthof, S. 335). Möglicherweise wurden zwei Häftlingsverzeichnisse geführt: eines in Guttenbach, eine Kopie in Dachau.
»Flucht nach vorne« – Spätestens Ende Dezember 1944 war die Reorganisation des KL Natzweiler abgeschlossen. Dieses Weiterfunktionieren bzw. diese »Flucht nach vorne« (Steegmann) könnte auch von der Überzeugung getragen worden sein, dass die im KZ-System wirkende Produktivkraft der Rüstungswirtschaft den weiteren Lauf der Kriegsereignisse beeinflussen könnte. (Steegmann, S. 101-104). Dass sich das KL Natzweiler dezentralisierte und unübersichtlicher wurde, bedeutete nicht unbedingt seine Funktionsuntüchtigkeit, sondern weist vielmehr darauf hin, dass die Kriegssituation zunehmend Improvisation und andere Schwerpunktsetzungen abverlangte. Noch während seines Auseinanderfallens wurde das KL Natzweiler gleichzeitig ausgebaut. Zwar fiel die wirtschaftliche Bilanz bei den aus dem Boden gestampften gigantischen Projekten (Produktion von Jägern, neuen ballistischen Waffen, Gewinnung von Schieferöl) zum Teil äußerst unzureichend aus, und auch die bevorstehende Niederlage Deutschlands war offensichtlich. Trotzdem gehorchten die Akteure der SS selbst beim endgültigen Zusammenbruch des KL Natzweiler Ende März 1945 noch der Logik »der Flucht nach vorne«, indem sie die Häftlinge auf Märsche, Transporte und Krankentransporte schickten und von Dachau Ende April 1945 weiter in Richtung der illusionären »Alpenfestung« oder dem letzten noch nicht befreiten KL Mauthausen. Von September 1944 bis Ende März 1945 gingen in sieben Monaten nochmals mindestens 17000 Häftlinge dem KL Natzweiler zu und weitere Außenlager wurden eröffnet – zuletzt Offenburg im März 1945. (Steegmann, S. 101-104).
Etwa Jahreswechsel 1944/45: Inspektion des Außenlagers Bisingen durch Oswald Pohl: Im Wüste-Lager Bisingen spitzten sich die Lebensverhältnisse für die KZ-Häftlinge extrem zu (Massensterben) und auch die geplante Schieferölgewinnung kam nicht voran. Beunruhigt inspizierte der Führer des WVHA daher wahrscheinlich noch im Dezember 1944 das Außenlager Bisingen. (Glauning, S. 195-255).
23. Januar bzw. 18. Februar 1945 – Schwarz löste Hartjenstein als Kommandant des KL Natzweiler ab: Möglicherweise als Folge der Inspektion des Außenlagers Bisingen durch Oswald Pohl kam es zu einer Reihe von Versetzungen: Der übergeordnete Lagerführer Franz Hofmann wurde im Februar 1945 von Bisingen als Schutzhaftlagerführer zum Kommandanturstab nach Guttenbach versetzt. Der Lagerarzt Steinicke wurde am 1.2.1945 von Bisingen nach Neckarelz versetzt. In der Verwaltung in Binau löste im Februar 1945 Obersturmführer Walter Schmiedetzki, der zugleich Adjutant des Kommandanten wurde, den bisherigen Verwaltungsführer Herbert Dillmann ab. Auch der Kommandant Fritz Hartjenstein wurde am 23. Januar 1945 in eine Kampfeinheit versetzt. Neuer und letzter Kommandant des KL Natzweiler in Guttenbach wurde am 18.2.1945 Heinrich Schwarz, welcher zuvor das KL Auschwitz-Monowitz geleitet hatte. Heinrich Schwarz wurde schließlich zum Organisator der Todes- bzw. Evakuierungsmärsche und -transporte.
Ob die Versetzung Hartjensteins in den Ereignissen in Bisingen gründete, geht weder bei Steegmann noch bei Glauning deutlich. Zumindest hatte Hartjenstein noch einen Tag zuvor am 22. Januar per Funkspruch vom WVHA wegen der Situation in den Wüste-Lagern Häftlingsbekleidung angefordert. (Baur/Wörner, S. 158).
Während Steegmann die Kommandantur unter Schwarz als mobil bezeichnet (Steegmann, S. 38-39), lässt ein Hinweis von dem Kommandantur-Häftling Walter Conrad Schultz eher auf einen Ausbau der Kommandantur in Guttenbach schließen: demnach habe Hauptsturmführer Schwarz in Guttenbach und Neckargerach weitere Häuser beschlagnahmt und sie für Zwecke der SS genutzt. (Schultz in einem Brief, 15.4.1945, Guttenbach).
März und April 1945 – Das KL Natzweiler in endgültiger Auflösung: Anfang März waren wohl noch etwa 20000-25000 KZ-Häftlinge in den Außenlagern des KL Natzweiler. In verschiedenen Krankentransporten sollen bereits im März 1945 3008 Häftlinge ins KL Bergen-Belsen überstellt worden sein (Glauning, S. 258). Wahrscheinlich kamen Ende März und im April 1945 über 13000 Häftlinge ins KL Dachau. Marschieren mussten insgesamt rund 7000 Häftlinge. Von Frankfurt-Katzbach wurden Ende März bis zu 1000 Häftlinge ins KL Buchenwald überstellt (Steegmann, S. 109). Möglicherweise Hunderte Häftlinge wurden im April von Offenburg nach Donaueschingen oder auch zurück nach Flossenbürg gebracht (Steegmann, S. 141, 159). Über 1500 verbliebene Häftlinge (Steegmann schätzt gar bis zu 4000, S. 171) wurden von den Wüste-Lagern um den 17./18. April in Marsch gesetzt. (Glauning, S. 365-368). 800 bis 900 Häftlinge des Krankentransports der Neckarlager wurden am 4.4.1945 bei Osterburken vorzeitig befreit. Der Kochendorfer Todesmarsch und Evakuierungszug forderte rund 220 Opfer, der Hessentaler zwischen 150-200. Vielleicht 600 kranke Häftlinge wurden in Vaihingen befreit, zahlreiche starben noch anschließend. Die Zahl der Toten bei der Evakuierung des KL Natzweiler kann nur geschätzt werden. Steegmann kommt auf rund 5000 Tote, vielleicht ist diese Zahl aber zu hoch gegriffen.
29. März bzw. Anfang April 1945 – Auflösung der Kleiderkammer in Binau bzw. Osterburken: An den Zug des Neckarelzer-Neckargeracher Krankentransports nach Dachau wurde in Binau am 29. März 1945 ein Waggon voller Kleider angehängt. Der Zug kam wegen des Kriegs und zerstörter Schienenwege allerdings nur bis Osterburken, wo die Überlebenden befreit wurden.
1. April 1945 – Auflösung der SS-Fahrbereitschaft in Neunkirchen durch Sabotage der beiden erfolgreich fliehenden »Garagenhäftlinge«. Sie machten die Lastwagen unbrauchbar.
Ende März 1945 – Evakuierung der Kommandantur und Verwaltung über Stuttgart nach Dürmentingen: Die Natzweiler Kommandantur arbeitete wahrscheinlich ab Ende Februar bzw. Ende März 1945 eng mit dem Höheren SS- und Polizeiführer Südwest in Stuttgart Otto Hofmann zusammen. Stationen der weiterverlagerten Kommandantur bis zu ihrer Auflösung Mitte April 1945 waren Stuttgart, Ellwangen, Dürmentingen, Missen und Scheffau. Der Funker Heinrich Pengler will zuletzt die Funkstation gesprengt haben. Die verbliebenen SS-Männer wurden in Kampfeinheiten eingegliedert. (Barch B 162 / 419 AR 1771 / 67). (Barch B 162 / 419 AR 1835/67).
Mitte April 1945 – Auflösung der Politischen Abteilung: Nach Angaben des Kommandanturhäftlings Schultz, der selber fliehen konnte, wurde am 22. März 1945 die Kommandantur des KL Natzweiler wegen des Vormarsches der Alliierten von Guttenbach weiter Richtung Stuttgart verlagert. Ebenfalls bei Dürmentingen, Missen und Scheffau wurde die Politische Abteilung aufgelöst, die letzten Dokumente wurden zerstört. (Steegmann, S. 36, 335). Um den 20. April 1945 wurden einige bei der Verwaltung des KL Natzweiler in Guttenbach beschäftigte Häftlinge im KL Dachau registriert.
Nach dem Krieg: Josef Seuss und Dr. Werner Rohde wurden vom britischen Militärtribunal in Wuppertal zum Tode verurteilt und 1946 hingerichtet. Wolfgang Seuss wurde nach Interventionen Adenauers, der katholischen Kirche und anderen vor der Todesstrafe bewahrt, aus Frankreich abgeschoben und erst 1960 mit lebenslänglichem Zuchthaus bestraft. Heinrich Schwarz wurde 1947 in Rastatt zum Tode verurteilt und in Baden-Baden hingerichtet. Hartjenstein verstarb 1954 in französischer Haft an Herzschlag. Franz Hofmann wurde erst 1961 verurteilt und starb 1973 in der Straubinger Strafanstalt.
Joachim Baur, Birgit Wörner: Konzentrationslager und Zwangsarbeit in Leonberg. Leonberg 2001.
Benz/Distel (Herausgeber): Der Ort des Terrors. U.a. Steegmann. Band 6. München 2007.
Georg Fischer, Christina Herr: CD-ROM »KZ Komplex Neckarlager«. Neckarelz 2003.
Christine Glauning: Entgrenzung und KZ-System. Berlin 2006.
Tobias Markowitsch, Kattrin Rautnig: Goldfisch und Zebra. Neckarelz 2005.
Klaus Riexinger, Detlef Ernst: Vernichtung durch Arbeit. Tübingen 2003.
Heinz Risel: KZ in Heilbronn. Nordheim 1987.
Robert Steegmann: Struthof. Strasbourg 2005.
Ausführliche Chronik der Verlagerung des Hauptlagers
als pdf-Datei.
Rede von Dorothee Roos bei der Gedenkfeier in Rothau/Elsass (deutsch)
Rede von Dorothee Roos bei der Gedenkfeier in Rothau/Elsass (französisch)
Echo zur Rede von Dorothee Roos bei Gedenkfeier in Rothau/Elsass (deutsch)
Ab 26.01. jeden Sonntag von 14 - 17 Uhr geöffnet.